Agentur oder Freelancer: Die Frage ist nicht, wer besser arbeitet
Beide Modelle liefern gute und schlechte Arbeit. Was sich wirklich unterscheidet, sind zwei Dinge: wie das Ausfallrisiko verteilt ist und wie viele Disziplinen gleichzeitig abgedeckt werden können. Danach entscheidet man – nicht nach Sympathie.
7 Abschnitte Mit Vergleichstabelle
Offenlegung vorweg, damit Sie den Rest richtig einordnen können: Resultstars ist die Einzelperson. Ich bin das – Christoph Sacher, allein, 120+ umgesetzte Projekte, nie mehr als drei bis vier gleichzeitig. Ich habe also eine Seite in diesem Vergleich, und Sie dürfen jede Zeile dieses Artikels mit diesem Wissen lesen.
Genau deshalb ist er so geschrieben, wie er geschrieben ist. Fast jede Seite, die bei dieser Suche auftaucht, argumentiert erkennbar für ihr eigenes Modell: Agenturen erklären, warum Einzelkämpfer riskant sind, Freelancer erklären, warum Agenturen Overhead verkaufen. Beides stimmt in Teilen und ist als Entscheidungshilfe unbrauchbar. Es gibt Projekte, bei denen ich abrate, mich zu beauftragen.
Die kurze Antwort: Risikoverteilung und Bandbreite
Die Wahl zwischen Agentur und Einzelperson ist keine Entscheidung über Qualität, sondern über Risikoverteilung und Bandbreite. Eine Agentur verteilt das Ausfallrisiko auf mehrere Köpfe und deckt mehrere Gewerke gleichzeitig ab; sie bezahlt das mit Overhead im Preis und mit Übersetzungsschritten zwischen den Beteiligten. Eine Einzelperson streicht beides – und konzentriert dafür das gesamte Risiko auf einen Menschen.
Alles andere, was in dieser Diskussion üblicherweise behauptet wird, hält bei Nachfrage nicht. „Agenturen sind teurer" gilt nicht pauschal: Einzelne Freelancer mit Spezialwissen liegen über dem Stundensatz mancher Agentur. „Freelancer sind schneller" gilt auch nicht pauschal: Wer vier Projekte parallel bearbeitet und keine Vertretung hat, ist in der falschen Woche langsamer als jedes Team. Die Qualität hängt an der Person, die tatsächlich arbeitet – und die ist in beiden Modellen eine Person.
Nützlich ist deshalb nur eine Frage: Welches der beiden Risiken können Sie in Ihrem konkreten Projekt besser tragen – ein konzentriertes Ausfallrisiko oder einen Übersetzungsverlust samt Aufschlag?
Agentur und Einzelperson im direkten Vergleich
Die Tabelle beschreibt Tendenzen der Organisationsform, keine Garantien. Eine dreiköpfige Agentur verhält sich in mehreren Zeilen wie eine Einzelperson – und umgekehrt.
Worin sich die beiden Modelle strukturell unterscheiden – und worin nicht.
| Kriterium | Agentur | Einzelperson |
|---|---|---|
| Projektgröße | Skaliert nach oben: mehrere Teilprojekte, mehrere Verantwortliche, langer Zeitraum | Begrenzt durch die Arbeitszeit eines Menschen; oberhalb einer Grenze wird es ein Flaschenhals |
| Budget | Enthält Projektleitung, Vertrieb, Büro, Ausfallpuffer – Leistungen, die Sie mitbezahlen und teils nutzen | Enthält im Wesentlichen Arbeitszeit und Werkzeuge; derselbe Umfang kostet in der Regel weniger |
| Geschwindigkeit | Gleichmäßig, aber mit Abstimmungsschritten; mehrere Gewerke laufen echt parallel | Sehr schnell bei kurzen Wegen, unberechenbar bei Parallelbedarf oder Krankheit |
| Ausfallrisiko | Verteilt. Urlaub und Krankheit werden intern vertreten, der Vertrag läuft weiter | Konzentriert. Fällt der eine Mensch aus, steht das Projekt – es gibt keine zweite Instanz |
| Bandbreite an Disziplinen | Design, Entwicklung, Text, Ads, Video, teils Recht und Einkauf unter einem Dach | Zwei bis vier Disziplinen auf gutem Niveau; alles weitere wird zugekauft oder fehlt |
| Ansprechpartner | Meist eine Projektleitung, die zwischen Ihnen und den Umsetzenden vermittelt | Dieselbe Person, die berät, baut und haftet – ohne Zwischenschritt |
| Preisstruktur | Häufig Stundensätze, Retainer, Change Requests; Nebenkosten werden sichtbar abgerechnet | Häufig Pauschalen oder Festpreise pro Ergebnis; weniger Posten, weniger Spielraum nach oben |
Keine Zeile dieser Tabelle sagt etwas über die Qualität des Ergebnisses. Qualität entsteht an der Tastatur, nicht in der Rechtsform. Was die Organisationsform bestimmt, ist, was passiert, wenn etwas nicht nach Plan läuft.
Wann die Agentur die richtige Wahl ist
Wenn Ihr Projekt Ausfallsicherheit, mehrere Gewerke oder formale Beschaffung braucht, ist die Agentur nicht die vorsichtigere, sondern die sachlich richtige Wahl. Fünf Fälle, in denen ich selbst zur Agentur rate:
1. Ausfallsicherheit und Vertretung
Wenn Ihre Website Umsatz in Echtzeit erzeugt – ein Shop, ein Buchungssystem, eine laufende Kampagne mit nennenswertem Tagesbudget –, dann ist „mein Dienstleister ist zwei Wochen nicht erreichbar" kein Ärgernis, sondern ein Schaden mit Betrag. Eine Agentur hat eine zweite Person, die den Zugang kennt, den Stand kennt und einspringt. Das ist nicht Marketing, das ist der Kern dessen, wofür Sie den Aufschlag zahlen.
2. Mehrere Gewerke echt parallel
Design, Entwicklung, Text, Paid Ads und Video gleichzeitig – das sind fünf Berufe. Eine Einzelperson kann zwei oder drei davon wirklich gut und bearbeitet sie der Reihe nach. Wenn Ihr Zeitplan verlangt, dass alle fünf in derselben Woche vorangehen, brauchen Sie fünf Menschen. Die nacheinander abzuarbeiten dauert nicht weniger lang, es dauert länger.
3. Rollout über mehrere Märkte und Sprachen
Acht Länderversionen, lokale Rechtstexte, Übersetzungen mit Lektorat, pro Markt eigene Kampagnen und eigene Ansprechpartner: Das ist Koordinationsarbeit, und Koordination ist eine Fähigkeit, die Agenturen strukturell besser beherrschen als Einzelpersonen. Hier ist Projektleitung kein Overhead, sondern die eigentliche Leistung.
4. Formale Lieferantenqualifizierung
Im Konzerneinkauf und in der öffentlichen Beschaffung entscheidet oft nicht, wer am besten baut, sondern wer die Anforderungen des Einkaufs erfüllt: Referenzen in bestimmter Zahl, Betriebshaftpflicht in bestimmter Höhe, Nachweise zur Informationssicherheit, Rahmenvertrag, Mindestumsatz, Ersatzpersonal. Eine Einzelperson scheitert an solchen Listen regelmäßig, und zwar nicht an der Arbeit, sondern an der Form. Wenn Sie in diesem Rahmen beschaffen, sparen Sie sich den Versuch.
5. Skalierung, wenn das Projekt wächst
Ein Projekt, das nach dem Start erkennbar größer wird – aus einer Seite werden dreißig, aus einem Kanal werden vier –, braucht einen Partner, der mitwachsen kann, ohne dass Sie neu ausschreiben. Eine Agentur stellt zusätzliche Kapazität bereit, eine Einzelperson kann das nicht. Der Wechsel mitten im Projekt kostet immer mehr als die von Anfang an richtige Wahl.
Wenn zwei dieser fünf Punkte zutreffen
- Dann ist die Agentur die richtige Antwort, und zwar unabhängig davon, wie gut die Einzelperson ist, mit der Sie sprechen.
- Fragen Sie in dem Fall gezielt nach: Wer arbeitet tatsächlich an meinem Projekt, wer vertritt diese Person, und wie viele Projekte betreut sie gleichzeitig?
- Worauf Sie bei der Auswahl sonst noch achten, steht in Webdesign-Agentur finden – inklusive der Fragen, die unangenehm sind und deshalb wirken.
Wann die Einzelperson die richtige Wahl ist
Der Vorteil der Einzelperson ist kein Preisvorteil, sondern das Fehlen jedes Übersetzungsschritts zwischen dem, der berät, und dem, der baut. In der Agenturkonstellation sitzt im Erstgespräch häufig jemand aus Beratung oder Vertrieb, und die Umsetzung macht jemand anderes. Jede Information läuft über eine Schnittstelle, und an Schnittstellen geht Kontext verloren – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das in allen arbeitsteiligen Systemen so ist.
Der, der baut, ist der, der spricht. Wenn ich im Gespräch sage, dass eine Funktion sich nicht lohnt, dann weiß ich das, weil ich sie bauen müsste. Diese Art Auskunft kann niemand geben, der das Ergebnis nur weiterreicht. Umgekehrt gibt es bei mir auch niemanden, hinter dem ich mich verstecken könnte, wenn etwas schiefgeht.
Kein Overhead im Preis. In einem Agenturhonorar stecken Projektleitung, Vertrieb, Büro und der Puffer für Leerzeiten. Das ist nicht unanständig, sondern notwendig – aber Sie bezahlen es mit, auch wenn Ihr Projekt die Projektleitung nicht braucht. Bei mir kostet eine Website ab 990 € und der laufende Betrieb mit Hosting, SSL, Backups, Wartung und kleinen Änderungen 39 €/Monat; wie sich ein Budget zusammensetzt und woran der Preis tatsächlich hängt, steht in Was eine Website kostet.
Schnellere Entscheidungen. Eine Änderung, die in einer Agentur ein Ticket, eine Abstimmung und einen Slot in der nächsten Sprintplanung braucht, ist bei einer Einzelperson oft eine Nachricht und zwanzig Minuten. Das wirkt wie ein kleiner Unterschied und ist über ein Projekt hinweg der größte: Die meisten Projekte verlieren Zeit nicht beim Arbeiten, sondern beim Warten auf Entscheidungen.
Diese Vorteile gelten für mittlere und kleinere Vorhaben mit einem klaren Ergebnis: eine Unternehmensseite, eine Landing Page mit Kampagne, ein Umbau mit Messung. Sie verschwinden, sobald das Projekt mehr Hände braucht als zwei.
Unsicher, in welche Spalte Ihr Projekt gehört? Das klären wir in zwanzig Minuten.
Das Ausfallproblem, ohne Beschönigung
Das größte Argument gegen die Einzelperson ist real und lässt sich nicht wegorganisieren: Fällt der eine Mensch aus, steht das Projekt. Grippe, ein Unfall, ein familiärer Notfall – in einer Agentur ist das eine Umplanung, bei mir ist es ein Stillstand. Jeder Freelancer, der Ihnen erzählt, das sei „durch gute Prozesse abgedeckt", beschreibt nicht die Realität. Prozesse verkürzen den Schaden; sie verhindern ihn nicht.
Was man tun kann, ist, den Schaden klein und das Weiterarbeiten ohne mich möglich zu halten. Konkret:
Was ich gegen das Ausfallrisiko tatsächlich tue
- Alle Zugänge liegen bei Ihnen. Domain, Hosting, Analytics, Werbekonten laufen auf Ihre Konten, nicht auf meine. Sie können mich jederzeit entfernen, ohne mich zu fragen – und ohne mich zu erreichen.
- Keine eigene Plattform. Ich baue auf Standardtechnik, die jeder Entwickler übernehmen kann. Es gibt kein System, das nur ich pflegen kann, und keinen Lizenzvertrag, der mit mir endet.
- Dokumentation im Projekt. Was wo liegt, wie es ausgeliefert wird und was zuletzt geändert wurde, steht schriftlich im Projekt – nicht in meinem Kopf.
- Maximal drei bis vier Projekte gleichzeitig. Das ist auch eine Risikomaßnahme: Wer zehn Projekte parallel führt, fällt bei jedem einzelnen Zwischenfall bei allen zehn aus.
- Kein Lock-in auf mich. Ihre Seite ist handgeschriebenes HTML und CSS, kein Baukasten und kein System, für das man mich braucht. Code, Domain und Hosting laufen auf Ihren Namen, die Dokumentation liegt im Projekt. Im schlechtesten Fall übernimmt ein anderer Entwickler, ohne dass vorher etwas entschlüsselt werden muss — das ist keine Vertretung, aber es ist der Unterschied zwischen einer Verzögerung und einem Totalschaden.
Und der ehrliche Rest: Wenn Ihr Geschäft davon abhängt, dass innerhalb weniger Stunden jemand reagiert – an jedem Werktag, in jeder Urlaubswoche –, dann ist das eine vertragliche Zusage, die ich seriös nicht geben kann. Dafür braucht man eine Organisation mit Bereitschaft, und die kostet entsprechend. Das ist kein Nachteil, den man wegverhandelt; das ist eine andere Leistung.
Ein Risiko, das benannt ist, lässt sich einpreisen. Ein Risiko, das weggeredet wird, trifft Sie zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Die Mischformen, die niemand erwähnt
Die Entscheidung wird meistens als Dilemma präsentiert, obwohl die Praxis dazwischen stattfindet. Drei verbreitete Formen, die beide Spalten mischen:
Die Agentur, die weitervergibt. Viele kleinere Agenturen setzen mit Freelancern um. Sie zahlen dann den Agenturpreis und bekommen die Einzelperson – nur ohne direkten Kontakt zu ihr. Das ist nicht automatisch schlecht, aber es ist etwas anderes als das, was im Angebot steht. Die Frage „Wer baut, und ist das angestellt oder extern?" ist deshalb in jedem Erstgespräch angebracht.
Der Freelancer-Verbund. Mehrere Selbstständige, die regelmäßig zusammenarbeiten und sich gegenseitig vertreten. Das deckt Bandbreite recht gut ab und senkt das Ausfallrisiko merklich – ersetzt aber keine Projektleitung, weil niemand gegenüber den anderen weisungsbefugt ist.
Die Einzelperson plus eigene Projektleitung. Wenn in Ihrem Haus jemand die Koordination übernimmt, brauchen Sie sie nicht einzukaufen. Diese Variante ist meist die wirtschaftlichste – und sie setzt voraus, dass diese Person die Zeit wirklich hat und nicht nur auf dem Organigramm.
Vier Fragen, dann ist die Sache klar
Beantworten Sie die vier für Ihr konkretes Projekt, nicht für Ihr Unternehmen im Allgemeinen. Die Antworten fallen für eine Kampagnen-Landingpage anders aus als für die Konzernseite.
Was kostet ein Tag Stillstand?
Rechnen Sie es einmal aus. Liegt die Zahl nahe null, ist das Ausfallrisiko ein theoretisches Problem. Liegt sie im vierstelligen Bereich, kaufen Sie Vertretung ein.
Wie viele Gewerke müssen gleichzeitig laufen?
Bis zu drei nacheinander: Einzelperson. Vier oder fünf in derselben Woche: Team. Zählen Sie Video und Text mit, die werden regelmäßig vergessen.
Gibt es eine formale Einkaufshürde?
Rahmenvertrag, Mindestumsatz, Versicherungsnachweise, Lieferantenaudit. Wenn ja, erübrigt sich die Diskussion – unabhängig von der Eignung.
Wer trifft bei Ihnen die Entscheidungen?
Eine Person mit Mandat: kurze Wege nutzen, Einzelperson. Ein Gremium: Sie brauchen jemanden, der die Abstimmung professionell aushält – das ist Agenturarbeit.
Danach bleibt in den meisten Fällen eine der beiden Spalten übrig. Bleiben beide übrig, nehmen Sie die Variante, bei der Sie mit der Person sprechen, die arbeitet – das ist bei gleichem Rest der bessere Tiebreak. Wer ich bin und wie ich arbeite, steht auf Über uns; wie ich Kanäle gegeneinander abwäge, zeigt der Vergleich Google Ads vs. Meta Ads.
Und falls Sie nach dieser Seite zum Schluss kommen, dass eine Agentur zu Ihnen passt: Dann hat der Artikel funktioniert. Eine Empfehlung, die gegen das eigene Angebot läuft, ist die einzige Art Empfehlung, die überhaupt etwas wert ist.

